Herzlich willkommen in meinem Tagebuch! 🙂

Hier schreibe ich über die alltäglichen Ereignisse, die mich freuen, die mich ärgern, die nicht unbedingt spektakulär sind, die vielen von euch wahrscheinlich bekannt vorkommen, weil sie immer wieder passieren und einfach zum Leben dazu gehören.

Gemüseernte 2020

Heute haben wir den Garten winterfest gemacht und die letzten Früchte geerntet. Coronabedingt haben wir heuer alles intensiv gepflegt und dadurch enorm viel geerntet, gegessen, eingefroren, eingekocht oder eingerext.
Heute war auch unsere erste Olivenernte. Wir haben lange überlegt, wie wir sie verwerten wollen. Zuerst dachten wir an Öl, aber dann haben wir uns entschlossen, sie in Salz einzulegen. Ich bin schon neugierig, wie sie schmecken wird. Wir werden sie jedenfalls gerecht teilen – unsere erste Olive. 🙂

13.11.2020

Fernsehen gegen Corona?

Die ersten zehn Tage des neuerlichen Lockdown sind vorüber und die nächsten werden heute wohl vom österreichischen Parlament beschlossen werden.
Obwohl ich bisher sehr geduldig diese Pandemie ertragen habe, wächst auch in mir schön langsam die Wut über dieses unnötige Virus, das durch die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen unser Leben so massiv einschränkt. Üblicherweise wären wir nächste Woche an den Wolfgangsee gefahren um dort den Adventauftakt zu genießen. Naja, damit wird es heuer leider nix. Und das, obwohl wir ohnehin schon den ganzen Sommer mehr oder weniger nur daheim verbracht haben. Unseren geliebten Wohnwagen haben wir in diesem Jahr auch nur ein einziges Mal bewegt – und da sind wir nur zur Werkstätte gefahren um ein neues Pickerl machen zu lassen.

Um mir eine Freude zu machen und den Blick in die weite Welt wenigstens beim Kochen und Backen in der Küche genießen zu können, habe ich mir vorgestern einen kleinen Smart-Fernseher gekauft.
Mein Mann (unsere Enkelin betont immer: Mein Opa kann alles) wollte ihn sofort an die Wand montieren. Wollte, denn leider hatten wir nicht die richtigen Schrauben daheim, die in der Beschreibung gefordert waren. Am nächsten Morgen, noch vor dem Frühstück, fuhr er zum Baumarkt und besorgte die richtigen. Trotzdem glitt der nette kleine Fernseher nicht in die Rutschschiene der Verankerung an der Wand. Einmal, zweimal, viele Male versuchte es mein Mann vergeblich. Schon etwas grantig geworden, holte er mich zu Hilfe. Aber um es kurz zu machen, auch zu zweit schafften wir es nicht. Der Fernseher rutschte zwar irgendwie über die Schiene, aber offenbar nur über eine der beiden, denn er wackelte so stark, dass er abzustürzen drohte. 
Also haben wir den Fernseher und die Wandverankerung noch einmal von allen Seiten genau vermessen. Die Küche ist sehr klein und die Fläche an der Wand so knapp bemessen, dass nicht viel Spielraum bleibt. Nach langem Hin und Her war klar, dass das TV-Gerät an der Rückseite eine kleine Wölbung aufweist, der wohl verhindert, dass man das Gerät richtig in die Aufhängung bringt. Die Lösung des Problems war klar: Die Aufhängung am Fernseher musste mit Beilagscheiben unterlegt werden, sodass sie über die Rückwand des Gerätes ragt. Dafür waren nun aber die Schrauben zu kurz. Also fuhr mein Mann ein weiteres Mal zum Baumarkt und kaufte längere Schrauben.
Nach einem ausgiebigen Frühstück und damit auch in besserer Laune versuchte er erneut das widerspenstige Gerät zu montieren.
Was soll ich dir sagen, es klappte wieder nicht. Der Fernseher rutschte nicht und nicht in die richtige Position. Er hing zwar, ziemlich schief, aber wackelte so stark, dass wir ihn vor einem drohenden Absturz halten mussten.
Mit Taschenlampe und Scheinwerfer leuchteten wir in den schmalen Spalt zwischen Wand und Fernseher, drückten unsere Wange fest an die Wand um hinter das Gerät blicken zu können. Wir entdeckten absolut nichts Ungewöhnliches.
So oft und lange wie mein Mann gestern das Gerät über Kopf hochgestemmt hat vermute ich, dass er heute einen Muskelkater in den Armen haben wird.
Alle Mühe war umsonst. Es blieb dabei, das kleine TV-Gerät baumelte bedenklich an der Verankerung.
Hin- und hergerissen zwischen Wut und Verzweiflung schraubte mein Mann sowohl die Verankerung am Fernseher als auch die an der Wand ab, und steckte sie in einander um vielleicht einen möglichen Fehler zu erkennen. Und der war auch sofort zu bemerken. Die beiden Teile haben einen so großen Spielraum, dass es keine starre Verbindung sondern nur eine sehr, sehr wackelige geben kann.
Nun hängt der Fernseher endlich an der Wand. Dass wir Stunden dafür vertan haben ist halt so, aber dass er wackelt, wie das Pendel einer Uhr, macht mir noch immer Unbehagen. 

Meinen Hass werdet ihr nicht bekommen

An einem Tag wie diesem kann man als Wienerin nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Der bestialische Anschlag in der vergangenen Nacht in der Wiener City, der vier Menschen das Leben gekostet hat, viele andere schwer und schwerst verletzt und noch viel mehr in Angst und Schrecken versetzt hat, ist so barbarisch, dass mir die Worte fehlen.
Ich möchte daher die Worte des französischen Journalisten Antoine Leiris zitieren, der bei einem ähnlichen Anschlag in Paris seine Frau, die Mutter seines 17 Monate alten Sohnes, verloren hat. 
In einem bewegenden Brief erklärt er den Mördern, weshalb er sie nicht hasst.

Am Freitagabend habt Ihr mir das Leben eines außergewöhnlichen Menschen geraubt, die Liebe meines Lebens, die Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass, den bekommt Ihr nicht. Ich weiß nicht, wer Ihr seid, und ich will es auch gar nicht wissen, denn Ihr seid tote Seelen. Wenn dieser Gott, für den Ihr so blind mordet, Euch nach seinem Ebenbild erschaffen hat, dann hat jede Kugel im Leib meiner Frau auch sein Herz verletzt.
Deshalb nein, ich werde Euch jetzt nicht das Geschenk machen, Euch zu hassen. Sicher, Ihr habt es genau darauf angelegt – doch auf diesen Hass mit Wut zu antworten, das hieße, sich derselben Ignoranz zu ergeben, die aus Euch das gemacht hat, was Ihr seid. Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meine Mitbürger mit Argwohn betrachte und meine Freiheit für meine Sicherheit opfere. Vergesst es. Ich bin und bleibe der, der ich war.

Ich habe sie heute Morgen gesehen. Endlich, nach Tagen und Nächten des Wartens. Sie war noch genauso schön wie Freitagabend, als sie losging, genauso schön wie damals, vor über 12 Jahren, als ich mich unsterblich in sie verliebte. Natürlich bin ich vor Kummer fast am Ende, diesen kleinen Sieg gestehe ich Euch zu, aber das wird nicht lange dauern. Ich weiß, sie wird mich jeden Tag begleiten und dass wir uns im Paradies der freien Seelen wiedersehen werden – in eben dem Paradies, zu dem Ihr niemals Zutritt haben werdet.

Wir sind zu zweit, mein Sohn und ich, aber wir sind stärker als alle Armeen dieser Welt. Ich habe auch nicht mehr viel Zeit für Euch, denn ich muss zu Melvil gehen, der gerade aus seinem Nachmittagsschlaf erwacht. Er ist noch nicht einmal 17 Monate alt, er wird jetzt eine Kleinigkeit essen wie jeden Nachmittag, und dann werden wir miteinander spielen, auch wie jeden Tag, und dieser kleine Junge wird für Euch sein Leben lang ein Affront sein, weil er glücklich sein wird und frei. Denn, nein, auch seinen Hass werdet Ihr nie bekommen.

 

Hexen, Geister, Gruselmonster

Halloween hat für mich bisher nur bedeutet mich rechtzeitig mit Süßigkeiten einzudecken, damit ich nicht Saures bekomme.
Jahrelang völlig umsonst, weil niemand kam.
Im letzten Jahr war es dann endlich so weit. Zwei süße kleine Gespenster im wallenden Leintuch, das mit Spinnweben bemalt war, sind vor unserer Türe gestanden und haben mit ängstlicher Stimme kaum hörbar “Süßes oder Saures” gelispelt.

Heuer kamen 4 Gruppen zu uns. Toll geschminkte Hexen und gruselige Monster.
Und auch unsere Enkel waren gut vorbereitet. Sie hatten sogar für mich ein Kostüm vorbereitet, sodass ich nicht anders konnte, als mit ihnen durch die dunklen Gassen zu ziehen.
Nicht nur, dass es Spaß gemacht hat, wir waren sogar erfolgreich.

Im ewigen Eis

Nachdem für die kommende Woche wieder Schlechtwetter vorausgesagt wurde, packten wir uns heute morgen zusammen und fuhren Richtung Dachstein. Während es im Tal noch lange nebelig war, hatten wir schon bei der Talstation der Seilbahn Sonnenschein und einen traumhaften Blick über die Berge. Man kann von ganz oben sogar bis zum Großglockner sehen. Welcher der vielen Gipfel er ist, haben wir zwar nicht erkannt. Aber wir wissen, dass er dabei ist.

Bereits am Weg zur Gondel muss man Masken tragen, in der Gondel kontrolliert dies ein Mitarbeiter der Seilbahngesellschaft und die Zahl der Passagiere je Gondel wurde aufgrund von Corona ziemlich reduziert.
Auch die Attraktionen wie die Treppe ins Nichts, die 100 Meter lange Hängebrücke über dem gewaltigen Abgrund oder der Eispalast sind nur im Einbahnsystem und generell mit Maske zu begehen.

Es ist schon merkwürdig, wenn einem nur Menschen mit Maske – auch im Freien – begegnen, aber wir wissen ja, dass es für unsere Sicherheit ist. Und wenn wir in ein paar Jahren die Fotos anschauen, werden wir sofort wissen, in welchem Jahr sie aufgenommen wurden. 🙂
Wir haben den Tag jedenfalls sehr genossen. Und solltest du Urlaub in Österreich planen, den Dachsteingletscher solltest du unbedingt mitplanen.

25.10.2020

Warten auf den Corona-Test

Ab morgen könnten wir mit den kleinen Enkelkindern die Herbstferien genießen, wenn da nicht Corona wäre. Immer wieder treten Fälle in ihrer Schule auf.
Um doch mit uns wegfahren zu können ohne uns “Vulnerablen” (erstaunlich, welche Begriffe dieses Virus hervorbringt) zu gefährden, lassen sich die beiden testen. Eine Apotheke in Wien bietet dies zu einem vernünftigen Preis an.
Naja, jetzt hoffen wir halt alle sehr, dass der Test negativ ist und wir ab morgen die Ferien genießen dürfen. Bitte Daumen halten. 🙂

23.10.2020

 

Wenn der Nebel alles verschlingt

Ja klar, es ist Herbst, und da gehört der Nebel dazu. Aber trotzdem schlägt er sich ein wenig auf die Stimmung. So bunt und vielfältig der Herbst auch die Blätter färbt, so heftig verschlingt der Nebel weite Teile Wiens. Die Sonne versucht zwar immer wieder Nebel und Wolken aufzulösen, aber ihre Kraft reicht meist nicht mehr dafür.
Die Menschen, die in diesen Hochhäusern wohnen, kommen in dieser Jahreszeit an manchem Tag gar nicht aus dem Nebel heraus. Sie werden jetzt gleichsam bestraft für den traumhaft schönen Ausblick, der während des Sommers bis weit ins Alpenvorland hinein reicht.
Ich lebe zwar sehr gerne in Wien, aber so hoch oben zu wohnen wäre mir doch zu “großstädtisch”.

22.10.2020

Winter und Sommer zugleich – Teil 2

Während draußen dichte Schneeflocken das Ennstal langsam in eine weiße, weich und sanft wirkende Winterlandschaft verwandeln, herrscht bei uns im Wohnzimmer azurblaue Sommerstimmung.
Wir haben heuer erstmals – aufgrund der Corona-Reisebeschränkungen – den Enkelkindern ein aufblasbares Swimmingpool im Garten aufgestellt um ihnen die Ferien so schön wie möglich zu gestalten. (Welchen Ärger wir beim Aufstellen hatten, habe ich in “Murphys Gesetz” beschrieben.)
Wir haben natürlich noch keinerlei Erfahrung damit wie und wann man dieses Ding wieder abbaut und frostsicher verstaut. Da es seit Tagen regnet und immer kälter wird und auch bei größtem Optimismus kein heißer, sonniger Tag in Sicht ist, haben wir es vorsichtshalber abgebaut und einfach ins Wohnzimmer zum Trocknen gelegt. Nun liegt es im Weg herum und dominiert leuchtend azurblau das ganze Wohnzimmer. Tisch, Sessel und Couch sind ganz an den Rand gerückt, damit sich die Plastikhülle gemütlich in alle Richtungen dehnen und ausstrecken kann. Und wir hoffen innständig, dass bald auch die letzten Wassertropfen getrocknet sein werden, damit wir es zusammenrollen und wegräumen können.
Und dann, ja dann ist der ungewöhnliche Sommer 2020 wirklich vorbei.

15.10.2020

 

Winter und Sommer zugleich 🙂

Nun ist er da, der Schnee im Ennstal.
Während er im Tal durch die Plustemperaturen schnell wieder verschwinden wird, macht er sich am Berg auf den Pisten breit, als wäre schon Winter.
Im Tal kämpft der Sommer seinen letzten Kampf ums Überleben. Die Rosen setzen Blüten an, als würde es noch einmal warm werden. Die Natur zeigt uns jedenfalls eindrucksvoll, welche Kraft in ihr steckt.

12.10.2020

Geheimtipp

Ich bringe in meinem Blog ja grundsätzlich keine Werbeeinschaltungen. Von manchen Menschen, Produkten oder Orten bin ich aber so begeistert, dass ich einfach unentgeltlich darüber schreiben muss. Und heute ist es wieder mal so weit.

Wer mich kennt weiß, dass ich mit Begeisterung köstliche Kekse backe. Viele, über Generationen erprobte, Rezepte garantieren perfektes Gelingen. Einzig und allein für Linzer Kipferln, die mein Mann sehr mag, habe ich noch nicht das absolut super-tolle, ultimative Rezept finden können.

In einem kleinen Bauernladen, 30 Kilometer außerhalb von Wien habe ich dann vor gut einem Jahr welche entdeckt, die zum Niederknien gut schmecken. Seither war ich immer wieder mal dort nur um diese Kekserln zu kaufen. So auch gestern. Am Weg dorthin stellte mein Mann fest, dass er während des gesamten Lockdown und auch noch Wochen danach kein Linzer Kipferl essen konnte. Als wir uns vor dem Bauernladen einparkten, schleckte er sich genussvoll über die Lippen und meinte, ich solle schnell sein, denn er könne es kaum mehr erwarten.

Weißt du, wie unendlich gemein so ein leeres Keksregal grinsen kann? Es schaut nutzlos, provokant und richtig teuflisch drein. Die gute Laune und die Freude auf die nächsten Tage im schönen Ennstal sind schlagartig dahin. Das wird auch nicht besser, wenn die freundliche Frau an der Kasse dich  mit den Worten zu trösten versucht: “Morgen früh ist alles wieder da!“
Auch meine verzweifelte Erklärung: “Wir fahren eigens mehr als dreißig Kilometer hierher um Linzer Kipferln zu kaufen…“ zeigte keine Wirkung. Schulterzuckend beteuerte sie nochmals, dass es ihr leid täte, sie aber kein einziges Keks mehr im Laden hätte.
Wir hatten also den Weg völlig umsonst gemacht. Als ich mit leeren Händen zum Auto zurückkam, sackte mein sonst großer, stattlicher Mann enttäuscht in sich zusammen. Dass so eine Katastrophe passieren könnte, hatte er in seinen schlimmsten Träumen nicht angenommen.

Aber auch ich wollte nicht mit leeren Händen und ungestilltem Gusto nach Hause fahren und rief kurzerhand auf dem Bauernhof an, wo diese Köstlichkeiten gebacken werden. Die Bäuerin war freundlich und verständnisvoll. Ja, wir durften, obwohl es gerade Mittag war, kommen und uns mit wunderbaren Linzer Kipferln eindecken. Nach einigen Kilometern Fahrt durch das verträumte Weinviertel erwartete uns die wunderbare Keksbäckerin Franziska Popp vor ihrer Backstube. Voller Begeisterung erzählte ich welch außergewöhnliche Freude der Genuss ihrer Linzer Kipferln für uns bedeutet. Ich erwähnte auch, dass ich selbst viel und gern und gut backe, aber ihre Linzer Kipferln einfach die Besten von ganz Überall wären.
Da schaut mir doch diese junge Frau verschmitzt direkt in die Augen und fragt: „Sie wollen das Rezept?“

Verdattert darüber, dass sie meine geheimsten Gedanken erraten hatte, stotterte ich verlegen: „Äh, hmm, na nein…“, um dann sofort unter glückseligem Lächeln perplex zu fragen: „Was, das würden Sie wirklich machen?“ Aber da war sie schon weggegangen um ihr Kochbuch zu holen. „Sie werden ja sicher ein Handy haben, da können Sie das Rezept abfotografieren.“ Sprachs und legte mir tatsächlich ihr Kochbuch hin.
Ich ging also nicht nur mit jeder Menge Linzer Kipferln vom Hofladen der Familie Popp weg, sondern auch mit einem gemischten Keksteller, Schmerstrudel, Polsterzipf und herrlichen Kipflern – das sind die besten Salaterdäpfel für den klassischen Erdäpfelsalat.

Mein Tipp an alle, die Kekse lieben – und das nicht nur zu Weihnachten: Franziska Popp in Lachsfeld ( popp.lachsfeld.at ) bietet außergewöhnlich gute Mehlspeisen und viele andere Köstlichkeiten an.
Ein Besuch lohnt auf alle Fälle.

8.10.2020

Eine fast entspannte Heimkehr

Nach drei Wochen Kur ist es wirklich schön wieder daheim zu sein. Der liebenswerte Nachbar hat alle Pflanzen gepflegt, sodass sie nicht nur überlebt sondern sich noch gut weiterentwickelt haben und es daher noch einiges zu ernten gibt. Wir freuten uns darauf, dass wir am nächsten Morgen wieder einmal länger schlafen könnten und bis auf die Schmutzwäsche gab es keine Arbeit für uns. Also wollten wir nur schnell die Waschmaschine füllen. Das ging ja noch ohne Probleme. Was nicht klappte, war die Wasserzufuhr. Der Wasserhahn ließ einfach kein Wasser durch. Bei den übrigen Wasserhähnen und der Toilettenspülung war ein arges Blubbern zu hören und das Wasser sprudelte mit viel Luft heraus. Wir vermuteten, dass während unserer Abwesenheit das Wasser abgeschalten wurde und sich nun eine Luftblase im Wasserhahn bei der Waschmaschine gebildet hat.

Also hat der “Opa, der alles kann” (so bezeichnet ihn seine jüngste Enkelin immer), den Hauptwasserhahn zugedreht und alle anderen auf um das Wasser auslaufen zu lassen. Dann hat er den defekten Wasserhahn abmontiert, gereinigt und wieder montiert. Logischerweise hat er den Hauptwasserhahn wieder aufgedreht und überall ist das Wasser wieder problemlos geronnen. Die Freude darüber, dass die Waschmaschine sofort zu waschen begonnen hat war so groß, dass wir im ersten Moment nicht gehört haben, dass irgendwo im Keller noch Wasser rauscht. Und als wir es mitbekommen haben, ist es uns auch schon entgegengelaufen.
Den kleinen Wasserhahn, der am tiefstgelegenen Punkt zur Entlüftung dient, haben wir einfach vergessen.
In der Sekunde schlug unsere entspannte Stimmung in Verzweiflung um. Wir warfen in Panik die gesamte Schmutzwäsche – glücklicherweise waren gut saugende Frotteebademäntel und Badetücher darunter – ins Wasser um zu verhindern, dass es sich überall verteilt.

Wir haben zuerst das ganze Wasser aufgesaugt, dann den kompletten Technikraum ausgeräumt, glücklicherweise ist er verfliest, und alles Stück für Stück trockengelegt. Bei der Gelegenheit haben wir natürlich auch gleich entrümpelt und alles wieder neu eingeräumt.

Nach mehr als zwei Stunden waren wir wieder so weit wie zuvor. Aber dafür hatten wir nun die längst überfällige Komplettreinigung und Entrümpelung des Technikraumes erledigt. Ohne Anlass hätten wir das wohl noch lange vor uns hergeschoben. Wir belohnten uns mit einem guten Bier und begannen die Ruhe zu Hause zu genießen .

 

19.000 Stufen

Meine Kur ist fast zu Ende. Heute Vormittag hatte ich die 106. und damit letzte Behandlung. Ich fühle mich total fit und die wackelige Bandscheibe, die auf den Nerv gedrückt und Schmerzen verursacht hat, ist auch wieder an ihren Platz zurückgerutscht.
Da ich in der Kuranstalt kein einziges Mal mit dem Aufzug gefahren bin, aber etwa 200 mal zwischen Zimmer und Therapiebereich oder Speisesaal auf- und abgegangen bin, habe ich in den drei Wochen cirka 19.000 Stufen überwunden.
Obwohl ein wenig Wehmut bei jedem Abschied aufkommt, freue ich mich schon auf daheim, auf die Familie – wenn auch mit Abstand – auf den Alltag und auf die damit verbundene Arbeit. Ja, echt. Drei Wochen nichts tun reicht.

Eine besondere Überraschung bereitete uns heute das Wetter. Es sieht aus, als stünde Weihnachten vor der Türe. Der Dobratsch, auf dem wir letzte Woche noch kurzärmelig herumgewandert sind, ist total eingeschneit.

 

Keine Zeit

Wenn Freunde auf Kur oder Reha waren und über den Stress dort geklagt haben, konnte ich mir das gar nicht vorstellen. Jetzt, wo ich selbst in dieser Situation bin, beurteile ich das plötzlich ganz anders. Bis zu neun Behandlungen täglich, längere Wege zwischen den Behandlungsorten und manchmal auch Wartezeiten lassen wenig freie Zeit für andere Dinge. Und wenn man eine Lücke hat, ist man oft so müde, dass man ein wenig ausruhen will. Darunter hat natürlich auch mein Tagebuch gelitten.

Dabei habe ich so viele Eindrücke und Beobachtungen gemacht, die berichtenswert wären. Besonders interessant zu beobachten war es, dass ein – wirklich attraktiver – Mann gerne Kurschatten gewesen wäre, aber die angebetete Dame hatte so gar kein Interesse. Der arme Kerl hat mehrere Tage gebraucht bis ihm klar war, dass er nicht erhört werden wird. Da dies auch andere Frauen mitbekommen haben, hatte er auch bei den anderen keine Chance mehr. Welche Frau sieht sich schon gerne als zweite Wahl.

Schnell filtert man auch jene Kurgäste aus der Menge, die rücksichtslos jeden in ein Gespräch verwickeln um dann endlos lange Monologe zu halten. Denen geht man besser dauerhaft aus dem Weg. Man erkennt sie aber ohnehin schnell, weil es sind diejenigen, die beim Frühstück, wo es freie Platzwahl gibt, ganz alleine an einem großen Tisch sitzen, denn die Corona-Gefahr scheint allen weniger schlimm als ein Frühstück mit dem Dauerredner.

Und dann gibt es noch die, die nur nörgeln und alles schlecht finden. Diese Miesmacher meidet man auch besser, denn es geht von ihnen so viel negative Energie aus, dass einem die gute Laune schon am Morgen verdorben wird.
Aber glücklicherweise sind die allermeisten Kurgäste nett und sympathisch.

Heute habe ich meinen letzten, besonders langen Tag. Bereits um sieben Uhr beginne ich mit Gymnastik, dann folgen drei galvanische Anwendungen und erst um neun Uhr gibt es ein Frühstück für mich.
Ich muss also schnell machen, damit ich nicht zu spät komme. Einen angenehmen Tag mit vielen schönen Momenten.

 

Ganz ohne PS?

Den therapiefreien Sonntag haben mein Mann und ich für einen Ausflug auf den Dobratsch genützt. Die Straße zum Parkplatz, von dem wir los wanderten, ist über 15 km lang, was aber für das Auto kein Problem ist.
Mitten auf der Strecke gibt es den Aussichtspunkt „Rote Wand“. Natürlich blieben wir stehen und genossen den herrlichen Rundblick über die Berge und hinab ins Tal. Gerade als ich das erste Foto schoss, hörte ich hinter mir ein Keuchen, Schnaufen und Röcheln, das mir einen ordentlichen Schreck versetzte. Ich blickte mich vorsichtig um und sah einen etwa 50-jährigen Mann hinter mir. Die roten Flecken in seinem Gesicht verrieten, dass eine große Anstrengung hinter ihm lag. Als er hektisch eine Banane verschlang, die er aus seiner Bauchtasche nahm, sah ich, dass er nicht unbedingt ein durchtrainierter Sportler war, sondern ein Wohlstandsbäuchlein vor sich herschob. Na klar, dachte ich, der hat sich einfach verausgabt am Weg über die Villacher Alpenstraße. Nur gut, dass er jetzt eine Pause macht.
Mitnichten. Als er die Banane verputzt hatte, drehte er um, stieg auf sein Fahrrad – kein E-Bike wohlgemerkt – und fuhr wieder los.
Nach ein paar Minuten sahen wir ihn wieder, kräftig in die Pedale tretend, und überholten ihn.
Ich hätte nicht mit ihm tauschen wollen, denn eine Strecke von 16 km Länge und einem Höhenunterschied von 1.100 m mit dem Rad ohne Motor, das würde ich nicht schaffen.

Vom Parkplatz in 1.720 m Höhe wanderten wir los in Richtung Dobratsch Gipfel auf 2.166 m. Ein bequemer, breiter Schotterweg führt Richtung Gipfel.
Nach etwa einer Stunde begann mein Fersensporn zu protestieren und ich suchte nach einem Rastplatz.
In dem Moment hatte ich ein Deja-vu. Ich hörte hinter mir ein Keuchen, Schnaufen und Röcheln. Und tatsächlich, da war er wieder, der wohlgenährte Radfahrer. Er war also mit Fahrrad – ohne Motor !! – tatsächlich schneller als wir mit Auto. Und nicht nur das, wir kamen ins Gespräch und erfuhren, dass er bis zum Beginn der Villacher Alpenstraße schon 15 km Anfahrtsweg hinter sich hatte.
Dass er, zum Unterschied zu mir, ohne Pause weiterging und uns gerade entgegenkam, als wir den Gipfel erreichten, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.
Auch wenn ich mit meinem Wohlstandsbäuchlein lange nicht so sportlich bin, war es doch ein wunderschöner Tag mit herrlichem Ausblick.

14.9.2020

Die Kur schlägt an 🙁

Die erste Woche meiner Kur neigt sich ihrem Ende zu und ich habe schon ein Kilo zugenommen. Wenn das so weitergeht, kann man mich heimrollen.
Klar, frühstücken muss ich hier immer schon um 7 Uhr, später geht es sich mit den Behandlungen nicht mehr aus. Daheim esse ich meist erst, wenn sich der Magen laut knurrend meldet.
Mittagessen muss ich um 12 Uhr 30, sonst geht es sich mit den nachmittäglichen Behandlungen nicht mehr aus. Daheim esse ich meist erst wieder um 15 Uhr. Ja und hier gibt es Abendessen um 18 Uhr 30, das fällt daheim meist aus, weil ich noch satt vom Mittagessen bin. Ich kann also gar nichts dafür, dass ich hier zunehme, es sind hier einfach die widrigen Rahmenbedingungen, die mich dick machen.
Trotzdem sitzt irgendwo ein kleiner Bösewicht in meinen Gedanken, der sagt: Natürlich sind die Essenszeiten hier blöd, aber musst du denn wirklich jedesmal alles wegputzen?

Mein Straßenkind

Seit dem Jahr 2000 habe ich für die Fußgeherzone Mariahilfer Straße gekämpft. Dann, als ich es endlich geschafft hatte, haben die Medien es plötzlich den Grünen zugeschrieben. Zugegeben, ohne die Grünen hätte ich es nicht geschafft, aber es war trotzdem mein Baby.
Heute ist ein Zeitungsartikel im Kurier erschienen, der dies endlich richtig stellt.
Spät – aber doch  🙂 🙂 🙂


Marmelade statt Muskeln

Ich habe in den letzten Wochen viel Zeit mit Marmeladekochen verbracht. Dabei bin ich hauptsächlich gestanden und habe einige meiner Muskeln total vernachlässigt. Diese unterbeschäftigten Kerlchen rächen sich nun schmerzhaft. Ich habe tatsächlich schon nach den ersten drei Trainingstagen einen Muskelkater. Mal schauen, wie es weiter geht.

10.9.2020

 

Oma unter Strom

Heute habe ich gleich drei galvanische Therapien auf einmal. Mal sehen, wie ich das vetrage. Ich hoffe halt, dass mir am Abend nicht alle Haare zu Berge stehen werden. 
Ganz inteessant finde ich aber die neue Art der Ultraschallanwendung, die nicht mehr händisch am schmerzenden Körperteil erfolgt sondern über ein Wasserbad gleichmäßig wirken kann. Eine österreichische Erfindung, wie mir der Therapeut stolz erklärte.

Der nächste Termin wartet, ich muss schnell weg.

9.9.2020


Oma beim Corona-Test

Gestern war es soweit: Ich machte zum ersten Mal einen Corona-Test. Nachdem ich eine Kur machen darf, ist ein negativer Test die Voraussetzung.
Auf der Fahrt zur Kuranstalt hatte ich einen merkwürdigen, trockenen Husten. Und in der Warteschlange vor der Teststation spürte ich plötzlich ein unangenehmes Kratzen im Hals. Alles Symptome einer COVID-19 Erkrankung.
„Mein Gott, ich werde doch nicht etwa…“ ging es mir durch den Kopf.
Aber nein, das ist doch unmöglich, meinte mein Mann. Wir waren beide so vorsichtig und haben immer den nötigen Abstand gehalten. Nach zwei Stunden kam dann der – glücklicherweise – negative Befund. Der Kur stand nichts mehr im Wege.

Und hier gehts weiter zu