Herzlich willkommen in meinem Tagebuch! 🙂

Hier schreibe ich über die alltäglichen Ereignisse, die mich freuen, die mich ärgern, die nicht unbedingt spektakulär sind, die vielen von euch wahrscheinlich bekannt vorkommen, weil sie immer wieder passieren und einfach zum Leben dazu gehören.

Kinderarbeit gehört bestraft

Ich bin überzeugt, dass diese Überschrift jede/r meiner Leser/Innen sofort unterschreiben würde. Wenngleich wir auch nicht immer so handeln. Besonders bei extremen Billigprodukten – wie T-Shirts um zwei Euro oder ähnlichem – müssten eigentlich bei jedem von uns die Alarmglocken zur Vorsicht mahnen. Dennoch finden die Produkte ihre Käufer/Innen.
Vermuten muss man schon, dass Kinderarbeit dahinter steckt, aber wirklich offensichtlich wird sie halt nicht wirklich. 
Ganz offensichtliche  Kinderarbeit hingegen hat ein Gericht in Bayern aufgedeckt und auch bestraft (siehe ORF Teletext 13.2.2021 Seite 146).
Kinderarbeit mitten in Bayern?
So unglaublich dies klingt, so spektakulär ist der Arbeitsplatz, an dem das Kind “zur Arbeit gezwungen” wurde. Es war eine Bühne, auf der im Juli 2019 Angelo Kelly (er wuchs als jüngstes Kind der berühmten Kelly Family auf, die immer als Großfamilie auf der Bühne stand) mit seinen Kindern ein Konzert gab. Sein jüngster Sohn William, damals 4 Jahre, trat dabei mit einem eigenen Song auf und war laut Gerichtsurteil “mindestens 30 Minuten” auf der Bühne. Laut deutschem Jungendarbeitsschutzgesetz dürfen Kinder zwischen drei und sechs Jahren zwar auf der Bühne bei Musikaufführungen mit behördlicher Ausnahme bis zu zwei Stunden täglich gestaltend mitwirken und an Proben teilnehmen – aber nur in der Zeit von 8 bis 17 Uhr. Williams Auftritt endete den Behörden zufolge allerdings um 20.20 Uhr.
Eine Strafe in der Höhe von € 5.000,- wurde letztlich auf € 3.000,- reduziert. Die Strafe aber wurde tatsächlich verhängt.

Und das sind die Momente, wo ich an der Menschheit verzweifle. Jedes Kind, das in der dritten Welt regelmäßig arbeiten muss, würde sich wohl sehnlichst wünschen, auf einer Bühne “arbeiten” zu dürfen. Aber das Leid dieser Kinder ist für uns unsichtbar und damit kein Thema in unserem Alltag. Würden wir nur ein wenig von der Energie, die wir an diese Absurditäten vergeuden, für die Bekämpfung der tatsächlichen Kinderarbeit aufwenden, könnten wir Kinderleid zumindest ein wenig lindern. Einem Kellyspross den Auftritt zu verbieten, bringt wohl niemandem was – außer dem bayrischen Fiskus. Und das bringts?

Zecken im Winter ???

So sehr viele über die Maskenpflicht lästern, sie hat schon auch viel Gutes. Nicht nur, dass sie meine Familie und mich bisher vor Corona geschützt hat, haben wir alle seit Monaten weder Schnupfen, Husten noch grippeähnliche Infekte. Ich bin echt schon am Überlegen, ob ich es nicht nach der Pandemie – mein Gott, dass ich jemals so einen Zeitbegriff verwenden würde, hätte ich bis vor einem Jahr nicht im schlimmsten Albtraum gedacht 🙁 – den Chinesen nachmache und in Grippezeiten grundsätzlich die Maske trage.
Dass sie aber nicht vor jeder Infektion schützt, erlebe ich seit Tagen am eigenen Leib. Ich habe nämlich eine akute Borreliose. Ja, du hast richtig gelesen, eine Borreliose, die man üblicherweise nur mit einem Zeckenbiss in Verbindung bringt. Ein untrügliches Merkmal (leider entwickeln aber nicht alle Infizierten eindeutige Krankheitszeichen) ist ein roter Fleck mit einem hellen Zentrum, fast wie ein Kreis. Als ich den bemerkte, spürte ich auch schon leichte Gliederschmerzen und hatte unbegründete Schweißausbrüche, die auch ein Symptom sind.  Die Ärztin und ein Blutbefund bestätigten meine Befürchtungen.
Nachdem es jetzt keine Zecken gibt, wir im Haus aber immer kleine Spinnen oder auch Mücken finden, wird mich wohl eines dieser Biester gebissen und infiziert haben. Nun muss ich 3 Wochen lang ein Antibiotikum nehmen (schlimm für Darm und Immunsystem, wie man im Buch “Darm mit Charme” nachlesen kann) und dann sollte mein Körper wieder borrelienfrei sein.
Solltest du jemals solch einen ringförmigen Fleck entdecken, auch ohne Zeckenbiss als Ursache, dann gehe unbedingt zum Arzt und lasse es abklären, denn eine nicht behandelte Borreliose kann sehr gefährlich werden und schwere Spätfolgen verursachen.

Wo bitte ist hier die Straße???

Hin und wieder verlassen wir auch jetzt im Lockdown das wunderschöne Ennstal. Der Zahnarztbesuch meines Mannes war diese Woche der Anlass dafür. Bei winterlichen Temperaturen fuhren wir los und kamen bei angenehmem, fast frühlingshaftem Wetter in Wien an. Zu meiner Freude sang bereits eine Amsel ihr fröhliches Lied. Auch der Garten zeigte sich schon im Frühlingsgewand. Die Melisse hatte bereits die ersten Blätter entfaltet und auch andere Pflanzen zeigten schon viele neue Triebe und Knospen.

Als wir Wien wieder verließen, regnete es leicht. Ab dem Semmering ging der Regen langsam in Schnee über. Auf der Phyrnautobahn waren wir dann wieder im Winter angekommen. Der Schneefall war so dicht, dass man kaum etwas sah. Kein einziger Autofahrer fuhr auf der Überholspur, denn die war binnen kurzer Zeit total schneebedeckt. Schneepflug war weit und breit auch keiner zu sehen. Ich war sehr froh einen großen LKW vor mir zu haben, der mir im Schneetreiben den Weg zeigte.

Die Abfahrt von der Autobahn ins Ennstal musste ich alleine bewältigen, denn der LKW fuhr leider auf der Autobahn weiter. Es war ein vorsichtiges Vortasten, denn in der absoluten Finsternis, die durch wattepadgroße Schneeflocken unterbrochen wurde, konnte ich weder am Straßenrand noch auf der Fahrbahn irgendwelche Markierungen erkennen. Im Schritttempo fand ich schließlich doch die Straße ins Ennstal.
Als mir im Kreisverkehr ein Fahrzeug den Vorrang nahm, ärgerte ich mich nicht, denn der PKW hatte offenbar den gleichen Weg und somit hatte ich wieder einen vor mir, mit dem gemeinsam ich in dem unglaublich dichten Schneetreiben die Straße suchen konnte. Nach einigen Kilometern war das Schneechaos urplötzlich vorbei und Starkregen begleitete uns fortan. Weil der Regen natürlich auch den Schnee am Straßenrand zum Schmelzen brachte, war viel zu viel Wasser auf der Straße. Wir fuhren durch Lacken, wirbelten riesige Fontänen auf und mussten auf Aquaplaning achten. Mein “Leitfahrzeug” bog leider ab und nun führte ich die Kolonne an. Knapp vor Gröbming wurde es dann wieder kälter und der Regen ging sofort wieder in dichtes Schneetreiben über. Die Schneeflocken tanzten wild und übermütig vor meiner Nase herum und nahmen mir die Sicht. Ich versuchte es mit dem Fernlicht, was aber keine gute Idee war, denn aus den Schneeflocken wurde plötzlich eine dichte, weiße Wand, die das Licht meiner Scheinwerfer total reflektierte. Obwohl wir Vollmond hatten, war es auf der Straße finster wie in einem …  Was soll ich sagen, es war mühsam. Irgendwie schaffte ich es doch auf der Straße zu bleiben, und ich war heilfroh als wir gut im winterlichen Ennstal aussteigen konnten.

Eines frage ich mich aber bis heute, wo haben sich die Schneepflüge versteckt?

29.1.2021

Oh Schreck – ein Leck

Schön langsam nehme ich an, dass auch ich von der senilen Bettflucht betroffen bin. Obwohl ich mein ganzes Berufsleben lang nie, aber absolut niemals, ohne Wecker munter geworden bin, kommt es jetzt immer wieder vor, dass ich um sechs Uhr putzmunter bin und freiwillig aufstehe. Gestern, Freitag, war es wieder so weit. Alle anderen im Haus waren noch tief im Träumeland, als ich schon in der Küche Tee und Kaffee kochte. Üblicherweise gehe ich danach in den Keller um am Außenthermometer der Heizung abzulesen, wie kalt es draußen ist.
Und da sah ich das Malheur: Das Gerät der Fernwärme tropfte – und das am Freitagmorgen.
Ob da wohl noch jemand vor dem Wochenende kommen würde, oder müssten wir etwa bis Montag frieren?  Wer weiß wie kaputt die Anlage ist. Nach 15 Jahren Betrieb kann ja sein, dass man das Ding komplett erneuern muss. Vielleicht sind aufwändigere Arbeiten notwendig, mit viel Staub und Dreck.

Ich versuchte meine grimmige Laune zu unterdrücken. Aber immer wieder drängte sich der Gedanke vor: Na wenn ein Tag schon mit solchem Ärger beginnt…

Erst nach acht Uhr hörte ich Schritte auf der Treppe. Ich überfiel meinen Mann gleich mit der Schreckensnachricht. Er sah sich das Leck an und blieb erstaunlicherweise ganz locker: ” Das ist nur eine Dichtung. Die könnte ich sogar selbst reparieren. Aber ich rufe bei der Fernwärme an.” Sprachs und tat es.

Nachdem er aufgelegt hatte, ging er nochmal in den Keller um ein Regal ein wenig zur Seite zu schieben, damit der Techniker dann mehr Platz hätte. Aber dazu kam es nicht, denn in diesem Moment läutete es an der Türe und draußen stand der Fernwärmetechniker. Es war so unglaublich, aber war so. Der nette Mann war gerade mit der Arbeit bei einem Nachbarn fertig und daher so schnell bei uns. Er war dann auch bei uns schnell fertig, denn es war wirklich nur eine Dichtung. Kein großer Schaden, keine aufwändigen Arbeiten und vor allem gar kein Ärger. Ich hatte mich völlig umsonst geärgert.

Selber schuld, kann ich nur sagen, denn wie heißt es so richtig – ich ärgere mich.

23.1.2021

Schnee schaufeln im Garten?

Wir Wiener/Innen gelten in der Steiermark manchmal als ein wenig schräg. Keine Ahnung warum, aber es ist halt so.
Wobei, wenn ich es mir recht überlege, vielleicht ist es sogar zu Recht, denn das, was sich gestern in unserem Garten abgespielt hat, unterstreicht diese Einstellung noch. Wir haben nämlich die Wiese vom Schnee befreit. Ja, echt, wir haben Schnee von der Wiese weggeschaufelt. Aber nicht deshalb, weil Schnee schaufeln etwa so viel Spaß macht. Nein, wir hatten natürlich einen triftigen Grund: Unsere Enkelkinder wollten einen Iglu bauen, und dafür braucht man bekanntlich jede Menge Schnee. Nachdem der Iglu hinter der blickdichten Hecke liegt, haben die vorbeigehenden Menschen natürlich nur gesehen, dass wir den Schnee von unserer Wiese wegkehren.
Die haben nicht schlecht gestaunt.
Naja, da darf man sich dann nicht wundern, dass man uns für schräg hält. 🙂

16.1.2021

Schwammerlernte daheim

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit Austernpilzen. Sie sind gesund und schmecken echt gut. So kam ich auf zwei junge Männer aus Wien, die vor 5 Jahren den mutigen Schritt gesetzt haben, eine Pilzzucht in einem Keller in Wien auf Basis von Kaffeesatz zu beginnen. Die beiden sind erfolgreich, mussten schon expandieren und haben immer wieder tolle, neue Ideen.
Eine davon ist “Pilze aus dem Kübel”. Ich habs probiert und habe schon mehrere köstliche Schwammerlgerichte aus meiner Ernte gekocht.
Es ist nicht schwierig oder aufwändig. Mein Kübel pendelt sogar immer wieder mit uns von Wien ins Ennstal und zurück. Und trotzdem entwickeln sich die Schwammerln gut.
Willst du es vielleicht auch probieren?
Demnächst kommt ein Beitrag dazu.

13.1.2021

Es riecht wie toter Hund 

Gestern haben wir nach mehreren Wochen erstmals das Ennstal verlassen und sind nach Wien gefahren. Mein Mann hatte heute Morgen einen Zahnarzttermin und ich nütze die Gelegenheit um einige kleine Erledigungen zu machen – viel ist durch den Lockdown ja eh nicht möglich.
So wollte ich unter anderem die leeren Flaschen entsorgen. Als ich unseren Abstellraum betrat, hat mich ein ekelhafter Gestank fast umgeworfen. So ein fürchterlicher Geruch war mir sicher noch nie im Leben untergekommen. Natürlich habe ich sofort nach der Ursache gesucht, und glücklicherweise habe ich den Stinker auch gefunden: Ein zum Platzen aufgeblasener Gefrierbeutel in dem ein Stück verdorbenes Fleisch dahinfaulte. Also eine hochexplosive Stinkbombe.
Was? Woher kommt das?
Nach einer Schrecksekunde war es mir klar. Als wir vor Weihnachten unsere Zelte in Wien abgebrochen haben um den Lockdown in der Steiermark zu verbringen, habe ich auch einiges aus dem Tiefkühlschrank mitgenommen. Offenbar habe ich nicht alles gleich in die Kühltasche gegeben, sondern dieses eine Stück Fleisch im Regal abgelegt, warum auch immer. Vielleicht hat das Telefon geläutet, oder ich wurde sonst wie abgelenkt und habe es dann einfach vergessen. In den drei Wochen unserer Abwesenheit hat das tiefgekühlte Fleisch nicht nur langsam auftauen können, sondern es hat still und leise ein zweites Leben begonnen. Es hat nicht nur einen erbärmlichen Gestank entwickelt, es hat den Gefriersack wie einen Luftballon aufgeblasen und versucht zu sprengen. An einigen Stellen ist ein blutig-klebriger Saft ausgetreten, der sich über das Regalbrett verteilt und alles verklebt hat. Ich musste meinen Mann zu Hilfe holen, weil ich einen darunter stehenden Topf nicht vom Brett wegbrachte. Superkleber kann nicht besser halten.
Dankbar demjenigen gegenüber, der die Einweghandschuhe erfunden hat, haben wir dann diese hochexplosive Stinkbombe, die eigentlich ein köstliches Mittagessen für die Familie hätte werden sollen, unter Einhaltung entsprechender Sicherheitsmaßnahmen entsorgt. Danach haben wir den Tatort (Abstellraum) mit Desinfektionsmittel fachmännisch gereinigt.
Es war echt eine grausliche Arbeit. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann war es eh schon wieder mal notwendig den ganzen Abstellraum durchzuputzen.

12.1.2021

Kompetent, sympathisch und schneller als alle anderen

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, wer dieser Wunderwuzzi ist und was er so Tolles vollbracht hat. Er ist ein Wissenschafter an der Vetmeduni Wien und beschäftigt sich mit neu auftretenden Virusinfektionen. Er ist seit Beginn der Corona-Pandemie gern gesehener Gast in Radio- und Fernsehsendungen – Prof. Norbert Nowotny. Und er hat mich gestern total verblüfft: Vor Weihnachten hat Prof. Nowotny in einem Fernsehinterview erwähnt, dass Menschen mit Implantaten bei den ersten Corona-Impfungen vorsichtig sein sollten. Nachdem mein Hüftimplantat zwar schon fünf Jahre gut funktioniert, aber eben doch ein Implantat ist, war ich ein wenig verunsichert. Also habe ich gestern, am Samstag, um 17 Uhr 40 ein Mail an Prof. Nowotny mit meinen Fragen zur Impfung geschickt. Nachdem ich schon einige Male erlebte, dass viel beschäftigte Fachleute auf Mails nicht antworten, habe ich keine großen Erwartungen gehabt. Umso überraschter und erfreuter war ich, als nur sieben Minuten später ein persönlich formuliertes Antwortmail in meinem Postfach ankam. Prof. Nowotny hatte darin alle meine Fragen ausreichend beantwortet.

Wenn ich früher, als Politikerin, am Wochenende Mails meiner Wähler/Innen beantwortet habe, waren die Menschen genauso begeistert wie ich gestern. Aber in der Politik gehört es – gleichsam als permanente Wahlwerbung – dazu immer erreichbar zu sein.
Prof. Nowotny allerdings wird nicht von mir oder anderen Hilfesuchenden gewählt. Er hat keinen Vorteil aus dieser blitzschnellen Beantwortung. Den Nutzen haben nur die Menschen, die sich hilfesuchend an ihn, diesen phantastischen Virologen, wenden, der nicht nur kompetent und sympathisch ist sondern auch noch unglaublich schnell.

10.1.2021

Mysteriös

Die ersten Tage des noch jungen Jahres sind für uns äußerst ruhig und unspektakulär vorübergegangen. Durch den Lockdown hatten wir keinen einzigen Gast zu Besuch und außer winterlichen Spaziergängen oder dem Weg zum Einkaufen bewegten wir uns kaum aus dem Haus.
Heute ist eine Ausnahme: Es hat in der Nacht geschneit und mein Mann schaufelt Schnee – welch eine Abwechslung. 😮 

Aber eine Sache gab es da doch, die uns noch heute zu denken gibt. Vor wenigen Tagen war der Rauchfangkehrer da. Zuerst wollte ich gar nicht, dass er den Kamin reinigt, denn ich hatte bereits eingeheizt. Aber er sah darin kein Problem und begann zu arbeiten. Und gut war es, denn das, was er aus dem Kamin holte, hat uns alle verblüfft und wirft mehrere Fragen auf. Er fand einen zu einer festen Kuppel zusammengeschmolzenen Müllsack. 😮  Bevor dieser den Weg in unseren Kamin fand, war er ein gelber Sack gewesen, in dem man üblicherweise Plastikmüll sammelt. Nun sah er allerdings aus wie eine Germteigschüssel und hatte den kompletten Kamin ausgefüllt.
Keiner von uns, auch nicht der Rauchfangkehrer, konnte sich erklären, wie solch ein Ding in unseren Rauchfang kommen konnte. Ein gelber Sack hat ja eine beachtliche Größe und die Öffnung des Rauchfangs ist dagegen  winzig. Und üblicherweise fliegen gelbe Säcke auch nicht einfach so durch die Gegend und über Dächer.
Wenn er aber tatsächlich durch eine Windböe hochgeschleudert wurde und auf den Rauchfang gefallen ist, dann muss er wohl locker und mit Luft gefüllt dahingeschwebt sein. Wie ist er dann zu einer festen Kugel geworden, die in den Kamin hineinfallen konnte?
Oder hätte er nicht doch eher durch die aufsteigende Luft wieder weggeblasen und nicht angesaugt und herabgezogen werden müssen?
Woher kam der Sack überhaupt? Gefüllt war er wohl nicht, denn sonst hätte er ja nicht bis zum Rauchfang hinauffliegen können?

Fragen über Fragen beschäftigen uns und wir finden keine Antworten – es ist und bleibt ein mysteriöser Vorfall.

6.1.2021

 

Ein perfekter Start 🙂

Seit Jahrzehnten ist das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker der Höhepunkt des ersten Jänner. Die Lautsprecher des Fernsehers sind dabei immer besonders gefordert, denn ich will das Konzert ganz laut genießen. Meine Familie ist nicht ganz so  begeistert wie ich, aber diese zwei Stunden gehören einfach mir.
So natürlich auch heute. Als die herrlichen Konzertklänge mit maximaler Lautstärke durchs ganze Haus hallten, zogen sich einige Familienmitglieder dezent zurück – nur mein Enkel nicht. Nicht nur, dass er das Konzert sichtlich mit mir genoss, er dirigierte und sang genauso mit wie ich. Ich kann gar nicht sagen wie toll dieses generationenübergreifende Erlebnis war. Musik genießen zu können ist ein Geschenk, aber der gemeinsame Genuss mit einem Enkelkind ist das Schönste überhaupt. 🥰

1.1.2021

Glaubt Oma noch ans Christkind?

Weihnachten mit Kindern zu feiern ist ganz besonders schön. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass wir mit unseren Enkeln feiern durften. Unsere Jüngste wird demnächst acht Jahre und war sehr aufgeregt. Auch ihr älterer Bruder versuchte, nachdem das Glöckchen geläutet hatte, noch einen Blick vom Christkind zu erhaschen, das aber schon längst durchs Fenster davon geflogen war.
Soweit unsere Sicht der Dinge.
Gestern hatte ich dann ein interessantes Gespräch unter vier Augen mit meinem fast zehnjährigen Enkelsohn. Irgendwie kamen wir auch aufs Christkind zu sprechen, das ja tolle Geschenke gebracht hat.

Mein Enkel fragte zögernd und nachdenklich: “Du – Oma.”
“Ja?”
“Hast du das Christkind schon einmal gesehen?”
“Hmm, wieso fragst du?”
“Naja, ich wills halt wissen.”
“Also – wir helfen ja dem Christkind immer bei den Vorbereitungen, weil es nicht bei allen Kindern gleichzeitig sein kann.”
“Und da hast du es gesehen?”
“Jaaa —?”
“Echt?”
“Naja —.” Ich war schwer am überlegen, ob ich meinem Enkel gegenüber diese Geschichte weiter aufrechterhalten sollte.
“Oma, glaubst du echt noch ans Christkind?”
“Na glaubst du etwa nicht, dass es das Christkind gibt?”
“Nein Oma, das Christkind gibt es nicht, den Osterhasen natürlich auch nicht. Nur der heilige Nikolaus hat tatsächlich einmal gelebt und armen Menschen geholfen.”
“Aber hast du am Heiligen Abend nicht sogar beim Fenster nachgeschaut, ob du das Christkind wegfliegen siehst?”
“Ja, wir spielen einfach mit, denn wir wollen euch die Freude nicht verderben.”
” — ”
Da war ich einfach nur sprachlos.

 

Mein 3. Lockdown

Mittlerweile sind wir alle ja schon Lockdownprofis. Nicht, dass es nötig gewesen wäre in diesem Thema Erfahrungen zu sammeln, nein, wir hätten alle liebend gerne darauf verzichtet. Aber es ist nun einmal so wie es ist: Wir sind bereits im 3. Lockdown. 
Ich kann mich noch gut an den ersten erinnern. Da durften wir in Wien nicht einmal in den Bundesgärten, wie dem Schlosspark Schönbrunn oder dem Augarten, spazieren gehen. Wir fühlten uns wie eingesperrt, aber die Infektionszahlen sanken spürbar.
Nun, im 3. Lockdown, ist alles anders. Die Infektionszahlen sinken extrem langsam. Trotzdem darf man in Wien alle Parks und Gärten besuchen, der riesige Eislaufplatz vor dem Wiener Rathaus darf mit “Abstandspiepserln” betrieben werden und im Ennstal darf man Schifahren, als wäre alles in bester Ordnung. Die Schihütten sind zwar geschlossen und die Maskenpflicht in der Gondel sorgt dafür, dass wir an Corona denken. Aber die Parkplätze rund um die Talstation sind voll mit PKW mit Kennzeichen aus ganz Österreich und einigen Nachbarstaaten. Alle Tageskarten waren bereits am Vormittag ausverkauft und trotzdem kamen noch immer Schifahrer an.

Üblicherweise halte ich mich an Gesetze und Richtlinien, aber das, was uns momentan die Bundesregierung vorschreibt, ist teilweise so absurd und unverständlich, dass ich Menschen verstehe, die diese Richtlinien ablehnen.
Während Paare in Kärnten kontrolliert und bestraft werden, weil sie trotz unterschiedlicher Hauptwohnsitze zusammenleben, wird das, was sich auf den Schipisten abspielt, nicht kontrolliert.
Was ist daran logisch und vernünftig?

Neugierig bin ich ja, ob die – meiner Meinung nach – viel zu großzügige Weihnachtsregelung zu Jahresbeginn wieder zu einem heftigen Ansteigen der Corona-Zahlen führen wird. 
Am meisten aber interessiert mich, wie das “Freitesten” ablaufen wird. Wie kann es gelingen mehrere Millionen Menschen innerhalb von 2 Tagen zu testen?
Und was tut man, wenn man es nicht bis zum 17. Jänner schafft einen Termin zu bekommen?
Darf man dann sein Haus nicht mehr verlassen?

Fragen über Fragen, und das obwohl wir schon im 3. Lockdown sind.

Gleichberechtigung für Männer

Die Stadt Paris muss eine Strafe von 90.000 € bezahlen, weil bei der Besetzung von 16 Leitungspositionen 11 an Frauen gingen. Das Ministerium für öffentliche Verwaltung beruft sich auf ein Gesetz, das besagt, dass solche Positionen an mindestens 40% jedes Geschlechts gehen müssen. Dass der Frauenanteil aber insgesamt in der Pariser Verwaltung noch immer unter 50% liegt, spielt dabei keine Rolle.

Das zeigt aber ganz deutlich, wie hart die Männer am Erhalt ihrer Vormachtstellung festhalten. In der Privatwirtschaft gibt es ja kaum Möglichkeiten Frauen in Führungspositionen zu fördern. Dort sind Männer noch großteils unter sich. Und in der öffentlichen Verwaltung kämpfen sie, wie man sieht, auch mit allen Mitteln.

Die Pariser Bürgermeisterin Hidalgo ließ verlauten, dass sie die Entscheidung des Ministeriums für einen unverantwortlichen und gefährlichen Schritt halte, weil dadurch die Zeit bis zur Geschlechterparität in Führungspositionen noch länger werde. Sie freue sich aber darauf den Scheck mit der Bußgeldzahlung gemeinsam mit den neu ernannten weiblichen Führungskräften überreichen zu können.

19.12.2020

Advent fällt heuer aus

In normalen Jahren haben wir drei, vier Weihnachtsmärkte besucht und dann hatten wir ohnehin schon genug vom vorweihnachtlichen Treiben. Aber wie so oft im Leben, geht einem erst dann etwas ab, wenn man es nicht mehr hat. Ich bin da nicht anders. Jedes Mal, wenn ich an einem Ort vorbeikomme, an dem sich üblicherweise Menschenmassen vor Verkaufshütten und Punschständen tummeln würden, spüre ich, wie sehr mir das alles doch abgeht. Die Adventzeit und der dazugehörige Weihnachtsmarkttrubel war doch immer wieder eine schöne Einstimmung auf Weihnachten, ein langsames Hinführen zum Heiligen Abend gleichsam – und das fehlt heuer eindeutig. Die abendliche Ausgangssperre gibt uns dann noch den Rest. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass heuer die Adventszeit ausfällt. 🙁

15.12.2020

Registrierungspflicht ???

Soeben läuft im TV die Übertragung einer Debatte aus dem österreichischen Nationalrat. Vieles daran bewegt mich und vieles wirkt auf mich unverständlich. Aber in Rage bringt mich immer wieder die Frage, wie weit eine Registrierungspflicht in der Gastronomie den Datenschutz und das Recht der Konsumenten einschränken würde. 
Bereits im Sommer erlebte ich, dass jemand im Eissalon die Registrierung mit dem Eintrag “Kaiser Franz Joseph, Schloss Schönbrunn, Tel. 123456789” boykottierte. Es war ein jüngerer Mann, der sein Eis alleine aß und sich dabei laufend mit seinem Handy beschäftigte. Ob er wohl die Anmeldung seines Handys, seiner Mailadresse auch mit den gleichen Daten getätigt hat, fragte ich mich. Ob er wohl auch in den sozialen Netzwerken anonym auftritt, oder doch mit echten Daten? Ob er auch auf die vielen Mitgliedskarten bei Handelsketten verzichtete, die dadurch mit seinen Daten ein gutes Geschäft machen?
Viele Menschen gehen mit ihren privaten Daten total locker um, wenn sie sich ins Internet begeben. Sie erzählen und dokumentieren mit Bildern, wo sie was tun, mit wem sie sich wo treffen und was und wieviel sie wo essen und trinken.  Wenn aber das Gesundheitsministerium zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Registrierungspflicht in der Gastronomie einführen will, sind sie dagegen.
Diese Doppelmoral macht mich wütend und regt mich immer wieder auf – und ich fürchte, dass das so bleiben wird.

Übrigens, der junge Mann im Eissalon hat einen Riesencup gegessen. Und weil dieser Eisbecher so wunderschön anzusehen war, hat er von sich und dem Monstereis ein Selfie gemacht. Ich hoffe nur, dass er es nicht auf Facebook und Co. gepostet hat, denn sonst hätte er ja wahrheitsgemäß dazuschreiben müssen, dass es das Eis für Kaiser Franz Joseph war.

11.12.2020

Älter werden nur die anderen

Mein Gott ist der alt geworden, hört man oft. Und auch ich denke es mir manchmal, wenn ich jemanden nach Jahren wieder sehe. Dass man selber auch älter geworden ist, bedenkt man dabei weniger. Man sieht sich ja täglich im Spiegel und erlebt die schleichenden Veränderungen als normal.
Aber gestern Morgen machte sich das Älterwerden so brutal bemerkbar, dass ich nicht darüber hinwegsehen konnte. Mein Mann, der immer wieder mal Kreuzprobleme hat, konnte nur mit Schmerzen aufstehen. Es sah zum Erbarmen aus, wie er versuchte sich aufzurichten und ein paar Schritte zu gehen. Also entschloss ich mich sofort das Frühstück zu machen und ihm ans Bett zu bringen. Wollen und tun sind allerdings manchmal zwei unterschiedliche Paar Schuhe. So auch gestern. Als ich nämlich selbst das Bett verlassen wollte, ging es mir wie meinem Mann. Ein schmerzender Ischiasnerv ließ mich ins Bett zurückfallen. Ich versuchte es wieder und wieder bis ich endlich aufrecht neben dem Bett stand. Da ein Frühstück im Bett sitzend für uns beide zu schmerzvoll gewesen wäre, nahmen wir es dann doch am Tisch ein. Und beim Arbeiten versuchten wir den ganzen Tag so bewegungs-ökonomisch wie möglich zu handeln. Ging einer von uns beiden in einen anderen Raum, fragte er vorher, ob der andere von dort auch etwas benötigen würde um unnötige, schmerzende Bewegungen zu verhindern. So schmerzvoll die Situation auch war, so sehr mussten wir irgendwann einmal lachen über uns dahinschleichenden Humpelsunkels, die sich eigentlich immer für jung und fit halten.

Heute Früh konnten wir glücklicherweise fast schmerzfrei aufstehen. Und heute wissen wir auch wieder, dass wir doch für unser Alter noch recht jung und fit sind. 🙂

5.12.2020

Schwammerlernte zu Weihnachten?

Pilze sind, wie jeder weiß, sehr gesund. Besonders aromatisch sind natürlich Waldpilze, aber die gibt es halt nur während der Sommermonate. Allerdings sind auch Austernseitlinge sehr g`schmackig. Also habe ich mich entschlossen es selbst einmal mit der Pilzzucht zu versuchen. Ich bin schon gespannt, ob es klappt.
Ein Jungunternehmer-Duo aus Wien bietet Pilzboxen und die dazugehörigen Pilzmyzele an. Die Box füllt man mit Kaffeesatz und setzt darin die Austernseitlingsmyzele an.
Das dritte Bild zeigt wie weit sich der Pilz in den letzten Tagen im Kaffeesatz bereits entwickelt hat. Wenn der gesamte Kaffeesatz mit dem Pilz überzogen ist, sollte das Myzel beginnen Fruchtkörper, also Schwammerln, zu bilden. Wenn alles klappt, sollten wir zu Weihnachten die ersten Pilze ernten können.
Fortsetzung folgt natürlich.

4.12.2020

Oma-Blog ging KO

Gestern ist das passiert, was man als Bloggerin eigentlich nicht will, aber es sich insgeheim doch wünscht: Nämlich, dass der Blog durch unglaublich viele Zugriffe vorübergehend zusammenbricht.  Die Technik war einfach kurzfristig überfordert. Natürlich erwarte ich, dass er immer bereit ist, aber Probleme durch zu viele Leser/Innen, das kommt nicht alle Tage vor. 🙂
Um ehrlich zu sein, es war nicht der tollste Beitrag, den ich jemals schrieb. Nein, durch meine Teilnahme an einer Quizsendung im Fernsehen, bei der ich den Blogtitel nennen durfte,  schauten plötzlich viele hinein.

Ich freue mich trotzdem und begrüße all meine neuen Besucher/Innen mit einem herzlichen “Servus im Oma-Blog”.

26.11.2020

Gemüseernte 2020

Heute haben wir den Garten winterfest gemacht und die letzten Früchte geerntet. Coronabedingt haben wir heuer alles intensiv gepflegt und dadurch enorm viel geerntet, gegessen, eingefroren, eingekocht oder eingerext.
Heute war auch unsere erste Olivenernte. Wir haben lange überlegt, wie wir sie verwerten wollen. Zuerst dachten wir an Öl, aber dann haben wir uns entschlossen, sie in Salz einzulegen. Ich bin schon neugierig, wie sie schmecken wird. Wir werden sie jedenfalls gerecht teilen – unsere erste Olive. 🙂

13.11.2020

Fernsehen gegen Corona?

Die ersten zehn Tage des neuerlichen Lockdown sind vorüber und die nächsten werden heute wohl vom österreichischen Parlament beschlossen werden.
Obwohl ich bisher sehr geduldig diese Pandemie ertragen habe, wächst auch in mir schön langsam die Wut über dieses unnötige Virus, das durch die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen unser Leben so massiv einschränkt. Üblicherweise wären wir nächste Woche an den Wolfgangsee gefahren um dort den Adventauftakt zu genießen. Naja, damit wird es heuer leider nix. Und das, obwohl wir ohnehin schon den ganzen Sommer mehr oder weniger nur daheim verbracht haben. Unseren geliebten Wohnwagen haben wir in diesem Jahr auch nur ein einziges Mal bewegt – und da sind wir nur zur Werkstätte gefahren um ein neues Pickerl machen zu lassen.

Um mir eine Freude zu machen und den Blick in die weite Welt wenigstens beim Kochen und Backen in der Küche genießen zu können, habe ich mir vorgestern einen kleinen Smart-Fernseher gekauft.
Mein Mann (unsere Enkelin betont immer: Mein Opa kann alles) wollte ihn sofort an die Wand montieren. Wollte, denn leider hatten wir nicht die richtigen Schrauben daheim, die in der Beschreibung gefordert waren. Am nächsten Morgen, noch vor dem Frühstück, fuhr er zum Baumarkt und besorgte die richtigen. Trotzdem glitt der nette kleine Fernseher nicht in die Rutschschiene der Verankerung an der Wand. Einmal, zweimal, viele Male versuchte es mein Mann vergeblich. Schon etwas grantig geworden, holte er mich zu Hilfe. Aber um es kurz zu machen, auch zu zweit schafften wir es nicht. Der Fernseher rutschte zwar irgendwie über die Schiene, aber offenbar nur über eine der beiden, denn er wackelte so stark, dass er abzustürzen drohte. 
Also haben wir den Fernseher und die Wandverankerung noch einmal von allen Seiten genau vermessen. Die Küche ist sehr klein und die Fläche an der Wand so knapp bemessen, dass nicht viel Spielraum bleibt. Nach langem Hin und Her war klar, dass das TV-Gerät an der Rückseite eine kleine Wölbung aufweist, der wohl verhindert, dass man das Gerät richtig in die Aufhängung bringt. Die Lösung des Problems war klar: Die Aufhängung am Fernseher musste mit Beilagscheiben unterlegt werden, sodass sie über die Rückwand des Gerätes ragt. Dafür waren nun aber die Schrauben zu kurz. Also fuhr mein Mann ein weiteres Mal zum Baumarkt und kaufte längere Schrauben.
Nach einem ausgiebigen Frühstück und damit auch in besserer Laune versuchte er erneut das widerspenstige Gerät zu montieren.
Was soll ich dir sagen, es klappte wieder nicht. Der Fernseher rutschte nicht und nicht in die richtige Position. Er hing zwar, ziemlich schief, aber wackelte so stark, dass wir ihn vor einem drohenden Absturz halten mussten.
Mit Taschenlampe und Scheinwerfer leuchteten wir in den schmalen Spalt zwischen Wand und Fernseher, drückten unsere Wange fest an die Wand um hinter das Gerät blicken zu können. Wir entdeckten absolut nichts Ungewöhnliches.
So oft und lange wie mein Mann gestern das Gerät über Kopf hochgestemmt hat vermute ich, dass er heute einen Muskelkater in den Armen haben wird.
Alle Mühe war umsonst. Es blieb dabei, das kleine TV-Gerät baumelte bedenklich an der Verankerung.
Hin- und hergerissen zwischen Wut und Verzweiflung schraubte mein Mann sowohl die Verankerung am Fernseher als auch die an der Wand ab, und steckte sie in einander um vielleicht einen möglichen Fehler zu erkennen. Und der war auch sofort zu bemerken. Die beiden Teile haben einen so großen Spielraum, dass es keine starre Verbindung sondern nur eine sehr, sehr wackelige geben kann.
Nun hängt der Fernseher endlich an der Wand. Dass wir Stunden dafür vertan haben ist halt so, aber dass er wackelt, wie das Pendel einer Uhr, macht mir noch immer Unbehagen. 

Meinen Hass werdet ihr nicht bekommen

An einem Tag wie diesem kann man als Wienerin nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Der bestialische Anschlag in der vergangenen Nacht in der Wiener City, der vier Menschen das Leben gekostet hat, viele andere schwer und schwerst verletzt und noch viel mehr in Angst und Schrecken versetzt hat, ist so barbarisch, dass mir die Worte fehlen.
Ich möchte daher die Worte des französischen Journalisten Antoine Leiris zitieren, der bei einem ähnlichen Anschlag in Paris seine Frau, die Mutter seines 17 Monate alten Sohnes, verloren hat. 
In einem bewegenden Brief erklärt er den Mördern, weshalb er sie nicht hasst.

Am Freitagabend habt Ihr mir das Leben eines außergewöhnlichen Menschen geraubt, die Liebe meines Lebens, die Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass, den bekommt Ihr nicht. Ich weiß nicht, wer Ihr seid, und ich will es auch gar nicht wissen, denn Ihr seid tote Seelen. Wenn dieser Gott, für den Ihr so blind mordet, Euch nach seinem Ebenbild erschaffen hat, dann hat jede Kugel im Leib meiner Frau auch sein Herz verletzt.
Deshalb nein, ich werde Euch jetzt nicht das Geschenk machen, Euch zu hassen. Sicher, Ihr habt es genau darauf angelegt – doch auf diesen Hass mit Wut zu antworten, das hieße, sich derselben Ignoranz zu ergeben, die aus Euch das gemacht hat, was Ihr seid. Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meine Mitbürger mit Argwohn betrachte und meine Freiheit für meine Sicherheit opfere. Vergesst es. Ich bin und bleibe der, der ich war.

Ich habe sie heute Morgen gesehen. Endlich, nach Tagen und Nächten des Wartens. Sie war noch genauso schön wie Freitagabend, als sie losging, genauso schön wie damals, vor über 12 Jahren, als ich mich unsterblich in sie verliebte. Natürlich bin ich vor Kummer fast am Ende, diesen kleinen Sieg gestehe ich Euch zu, aber das wird nicht lange dauern. Ich weiß, sie wird mich jeden Tag begleiten und dass wir uns im Paradies der freien Seelen wiedersehen werden – in eben dem Paradies, zu dem Ihr niemals Zutritt haben werdet.

Wir sind zu zweit, mein Sohn und ich, aber wir sind stärker als alle Armeen dieser Welt. Ich habe auch nicht mehr viel Zeit für Euch, denn ich muss zu Melvil gehen, der gerade aus seinem Nachmittagsschlaf erwacht. Er ist noch nicht einmal 17 Monate alt, er wird jetzt eine Kleinigkeit essen wie jeden Nachmittag, und dann werden wir miteinander spielen, auch wie jeden Tag, und dieser kleine Junge wird für Euch sein Leben lang ein Affront sein, weil er glücklich sein wird und frei. Denn, nein, auch seinen Hass werdet Ihr nie bekommen.

 

Hexen, Geister, Gruselmonster

Halloween hat für mich bisher nur bedeutet mich rechtzeitig mit Süßigkeiten einzudecken, damit ich nicht Saures bekomme.
Jahrelang völlig umsonst, weil niemand kam.
Im letzten Jahr war es dann endlich so weit. Zwei süße kleine Gespenster im wallenden Leintuch, das mit Spinnweben bemalt war, sind vor unserer Türe gestanden und haben mit ängstlicher Stimme kaum hörbar “Süßes oder Saures” gelispelt.

Heuer kamen 4 Gruppen zu uns. Toll geschminkte Hexen und gruselige Monster.
Und auch unsere Enkel waren gut vorbereitet. Sie hatten sogar für mich ein Kostüm vorbereitet, sodass ich nicht anders konnte, als mit ihnen durch die dunklen Gassen zu ziehen.
Nicht nur, dass es Spaß gemacht hat, wir waren sogar erfolgreich.

Im ewigen Eis

Nachdem für die kommende Woche wieder Schlechtwetter vorausgesagt wurde, packten wir uns heute morgen zusammen und fuhren Richtung Dachstein. Während es im Tal noch lange nebelig war, hatten wir schon bei der Talstation der Seilbahn Sonnenschein und einen traumhaften Blick über die Berge. Man kann von ganz oben sogar bis zum Großglockner sehen. Welcher der vielen Gipfel er ist, haben wir zwar nicht erkannt. Aber wir wissen, dass er dabei ist.

Bereits am Weg zur Gondel muss man Masken tragen, in der Gondel kontrolliert dies ein Mitarbeiter der Seilbahngesellschaft und die Zahl der Passagiere je Gondel wurde aufgrund von Corona ziemlich reduziert.
Auch die Attraktionen wie die Treppe ins Nichts, die 100 Meter lange Hängebrücke über dem gewaltigen Abgrund oder der Eispalast sind nur im Einbahnsystem und generell mit Maske zu begehen.

Es ist schon merkwürdig, wenn einem nur Menschen mit Maske – auch im Freien – begegnen, aber wir wissen ja, dass es für unsere Sicherheit ist. Und wenn wir in ein paar Jahren die Fotos anschauen, werden wir sofort wissen, in welchem Jahr sie aufgenommen wurden. 🙂
Wir haben den Tag jedenfalls sehr genossen. Und solltest du Urlaub in Österreich planen, den Dachsteingletscher solltest du unbedingt mitplanen.

25.10.2020

Warten auf den Corona-Test

Ab morgen könnten wir mit den kleinen Enkelkindern die Herbstferien genießen, wenn da nicht Corona wäre. Immer wieder treten Fälle in ihrer Schule auf.
Um doch mit uns wegfahren zu können ohne uns “Vulnerablen” (erstaunlich, welche Begriffe dieses Virus hervorbringt) zu gefährden, lassen sich die beiden testen. Eine Apotheke in Wien bietet dies zu einem vernünftigen Preis an.
Naja, jetzt hoffen wir halt alle sehr, dass der Test negativ ist und wir ab morgen die Ferien genießen dürfen. Bitte Daumen halten. 🙂

23.10.2020

 

Wenn der Nebel alles verschlingt

Ja klar, es ist Herbst, und da gehört der Nebel dazu. Aber trotzdem schlägt er sich ein wenig auf die Stimmung. So bunt und vielfältig der Herbst auch die Blätter färbt, so heftig verschlingt der Nebel weite Teile Wiens. Die Sonne versucht zwar immer wieder Nebel und Wolken aufzulösen, aber ihre Kraft reicht meist nicht mehr dafür.
Die Menschen, die in diesen Hochhäusern wohnen, kommen in dieser Jahreszeit an manchem Tag gar nicht aus dem Nebel heraus. Sie werden jetzt gleichsam bestraft für den traumhaft schönen Ausblick, der während des Sommers bis weit ins Alpenvorland hinein reicht.
Ich lebe zwar sehr gerne in Wien, aber so hoch oben zu wohnen wäre mir doch zu “großstädtisch”.

22.10.2020

Winter und Sommer zugleich – Teil 2

Während draußen dichte Schneeflocken das Ennstal langsam in eine weiße, weich und sanft wirkende Winterlandschaft verwandeln, herrscht bei uns im Wohnzimmer azurblaue Sommerstimmung.
Wir haben heuer erstmals – aufgrund der Corona-Reisebeschränkungen – den Enkelkindern ein aufblasbares Swimmingpool im Garten aufgestellt um ihnen die Ferien so schön wie möglich zu gestalten. (Welchen Ärger wir beim Aufstellen hatten, habe ich in “Murphys Gesetz” beschrieben.)
Wir haben natürlich noch keinerlei Erfahrung damit wie und wann man dieses Ding wieder abbaut und frostsicher verstaut. Da es seit Tagen regnet und immer kälter wird und auch bei größtem Optimismus kein heißer, sonniger Tag in Sicht ist, haben wir es vorsichtshalber abgebaut und einfach ins Wohnzimmer zum Trocknen gelegt. Nun liegt es im Weg herum und dominiert leuchtend azurblau das ganze Wohnzimmer. Tisch, Sessel und Couch sind ganz an den Rand gerückt, damit sich die Plastikhülle gemütlich in alle Richtungen dehnen und ausstrecken kann. Und wir hoffen innständig, dass bald auch die letzten Wassertropfen getrocknet sein werden, damit wir es zusammenrollen und wegräumen können.
Und dann, ja dann ist der ungewöhnliche Sommer 2020 wirklich vorbei.

15.10.2020

 

Winter und Sommer zugleich 🙂

Nun ist er da, der Schnee im Ennstal.
Während er im Tal durch die Plustemperaturen schnell wieder verschwinden wird, macht er sich am Berg auf den Pisten breit, als wäre schon Winter.
Im Tal kämpft der Sommer seinen letzten Kampf ums Überleben. Die Rosen setzen Blüten an, als würde es noch einmal warm werden. Die Natur zeigt uns jedenfalls eindrucksvoll, welche Kraft in ihr steckt.

12.10.2020

Geheimtipp

Ich bringe in meinem Blog ja grundsätzlich keine Werbeeinschaltungen. Von manchen Menschen, Produkten oder Orten bin ich aber so begeistert, dass ich einfach unentgeltlich darüber schreiben muss. Und heute ist es wieder mal so weit.

Wer mich kennt weiß, dass ich mit Begeisterung köstliche Kekse backe. Viele, über Generationen erprobte, Rezepte garantieren perfektes Gelingen. Einzig und allein für Linzer Kipferln, die mein Mann sehr mag, habe ich noch nicht das absolut super-tolle, ultimative Rezept finden können.

In einem kleinen Bauernladen, 30 Kilometer außerhalb von Wien habe ich dann vor gut einem Jahr welche entdeckt, die zum Niederknien gut schmecken. Seither war ich immer wieder mal dort nur um diese Kekserln zu kaufen. So auch gestern. Am Weg dorthin stellte mein Mann fest, dass er während des gesamten Lockdown und auch noch Wochen danach kein Linzer Kipferl essen konnte. Als wir uns vor dem Bauernladen einparkten, schleckte er sich genussvoll über die Lippen und meinte, ich solle schnell sein, denn er könne es kaum mehr erwarten.

Weißt du, wie unendlich gemein so ein leeres Keksregal grinsen kann? Es schaut nutzlos, provokant und richtig teuflisch drein. Die gute Laune und die Freude auf die nächsten Tage im schönen Ennstal sind schlagartig dahin. Das wird auch nicht besser, wenn die freundliche Frau an der Kasse dich  mit den Worten zu trösten versucht: “Morgen früh ist alles wieder da!“
Auch meine verzweifelte Erklärung: “Wir fahren eigens mehr als dreißig Kilometer hierher um Linzer Kipferln zu kaufen…“ zeigte keine Wirkung. Schulterzuckend beteuerte sie nochmals, dass es ihr leid täte, sie aber kein einziges Keks mehr im Laden hätte.
Wir hatten also den Weg völlig umsonst gemacht. Als ich mit leeren Händen zum Auto zurückkam, sackte mein sonst großer, stattlicher Mann enttäuscht in sich zusammen. Dass so eine Katastrophe passieren könnte, hatte er in seinen schlimmsten Träumen nicht angenommen.

Aber auch ich wollte nicht mit leeren Händen und ungestilltem Gusto nach Hause fahren und rief kurzerhand auf dem Bauernhof an, wo diese Köstlichkeiten gebacken werden. Die Bäuerin war freundlich und verständnisvoll. Ja, wir durften, obwohl es gerade Mittag war, kommen und uns mit wunderbaren Linzer Kipferln eindecken. Nach einigen Kilometern Fahrt durch das verträumte Weinviertel erwartete uns die wunderbare Keksbäckerin Franziska Popp vor ihrer Backstube. Voller Begeisterung erzählte ich welch außergewöhnliche Freude der Genuss ihrer Linzer Kipferln für uns bedeutet. Ich erwähnte auch, dass ich selbst viel und gern und gut backe, aber ihre Linzer Kipferln einfach die Besten von ganz Überall wären.
Da schaut mir doch diese junge Frau verschmitzt direkt in die Augen und fragt: „Sie wollen das Rezept?“

Verdattert darüber, dass sie meine geheimsten Gedanken erraten hatte, stotterte ich verlegen: „Äh, hmm, na nein…“, um dann sofort unter glückseligem Lächeln perplex zu fragen: „Was, das würden Sie wirklich machen?“ Aber da war sie schon weggegangen um ihr Kochbuch zu holen. „Sie werden ja sicher ein Handy haben, da können Sie das Rezept abfotografieren.“ Sprachs und legte mir tatsächlich ihr Kochbuch hin.
Ich ging also nicht nur mit jeder Menge Linzer Kipferln vom Hofladen der Familie Popp weg, sondern auch mit einem gemischten Keksteller, Schmerstrudel, Polsterzipf und herrlichen Kipflern – das sind die besten Salaterdäpfel für den klassischen Erdäpfelsalat.

Mein Tipp an alle, die Kekse lieben – und das nicht nur zu Weihnachten: Franziska Popp in Lachsfeld ( popp.lachsfeld.at ) bietet außergewöhnlich gute Mehlspeisen und viele andere Köstlichkeiten an.
Ein Besuch lohnt auf alle Fälle.

8.10.2020

Eine fast entspannte Heimkehr

Nach drei Wochen Kur ist es wirklich schön wieder daheim zu sein. Der liebenswerte Nachbar hat alle Pflanzen gepflegt, sodass sie nicht nur überlebt sondern sich noch gut weiterentwickelt haben und es daher noch einiges zu ernten gibt. Wir freuten uns darauf, dass wir am nächsten Morgen wieder einmal länger schlafen könnten und bis auf die Schmutzwäsche gab es keine Arbeit für uns. Also wollten wir nur schnell die Waschmaschine füllen. Das ging ja noch ohne Probleme. Was nicht klappte, war die Wasserzufuhr. Der Wasserhahn ließ einfach kein Wasser durch. Bei den übrigen Wasserhähnen und der Toilettenspülung war ein arges Blubbern zu hören und das Wasser sprudelte mit viel Luft heraus. Wir vermuteten, dass während unserer Abwesenheit das Wasser abgeschalten wurde und sich nun eine Luftblase im Wasserhahn bei der Waschmaschine gebildet hat.

Also hat der “Opa, der alles kann” (so bezeichnet ihn seine jüngste Enkelin immer), den Hauptwasserhahn zugedreht und alle anderen auf um das Wasser auslaufen zu lassen. Dann hat er den defekten Wasserhahn abmontiert, gereinigt und wieder montiert. Logischerweise hat er den Hauptwasserhahn wieder aufgedreht und überall ist das Wasser wieder problemlos geronnen. Die Freude darüber, dass die Waschmaschine sofort zu waschen begonnen hat war so groß, dass wir im ersten Moment nicht gehört haben, dass irgendwo im Keller noch Wasser rauscht. Und als wir es mitbekommen haben, ist es uns auch schon entgegengelaufen.
Den kleinen Wasserhahn, der am tiefstgelegenen Punkt zur Entlüftung dient, haben wir einfach vergessen.
In der Sekunde schlug unsere entspannte Stimmung in Verzweiflung um. Wir warfen in Panik die gesamte Schmutzwäsche – glücklicherweise waren gut saugende Frotteebademäntel und Badetücher darunter – ins Wasser um zu verhindern, dass es sich überall verteilt.

Wir haben zuerst das ganze Wasser aufgesaugt, dann den kompletten Technikraum ausgeräumt, glücklicherweise ist er verfliest, und alles Stück für Stück trockengelegt. Bei der Gelegenheit haben wir natürlich auch gleich entrümpelt und alles wieder neu eingeräumt.

Nach mehr als zwei Stunden waren wir wieder so weit wie zuvor. Aber dafür hatten wir nun die längst überfällige Komplettreinigung und Entrümpelung des Technikraumes erledigt. Ohne Anlass hätten wir das wohl noch lange vor uns hergeschoben. Wir belohnten uns mit einem guten Bier und begannen die Ruhe zu Hause zu genießen .

 

19.000 Stufen

Meine Kur ist fast zu Ende. Heute Vormittag hatte ich die 106. und damit letzte Behandlung. Ich fühle mich total fit und die wackelige Bandscheibe, die auf den Nerv gedrückt und Schmerzen verursacht hat, ist auch wieder an ihren Platz zurückgerutscht.
Da ich in der Kuranstalt kein einziges Mal mit dem Aufzug gefahren bin, aber etwa 200 mal zwischen Zimmer und Therapiebereich oder Speisesaal auf- und abgegangen bin, habe ich in den drei Wochen cirka 19.000 Stufen überwunden.
Obwohl ein wenig Wehmut bei jedem Abschied aufkommt, freue ich mich schon auf daheim, auf die Familie – wenn auch mit Abstand – auf den Alltag und auf die damit verbundene Arbeit. Ja, echt. Drei Wochen nichts tun reicht.

Eine besondere Überraschung bereitete uns heute das Wetter. Es sieht aus, als stünde Weihnachten vor der Türe. Der Dobratsch, auf dem wir letzte Woche noch kurzärmelig herumgewandert sind, ist total eingeschneit.

 

Keine Zeit

Wenn Freunde auf Kur oder Reha waren und über den Stress dort geklagt haben, konnte ich mir das gar nicht vorstellen. Jetzt, wo ich selbst in dieser Situation bin, beurteile ich das plötzlich ganz anders. Bis zu neun Behandlungen täglich, längere Wege zwischen den Behandlungsorten und manchmal auch Wartezeiten lassen wenig freie Zeit für andere Dinge. Und wenn man eine Lücke hat, ist man oft so müde, dass man ein wenig ausruhen will. Darunter hat natürlich auch mein Tagebuch gelitten.

Dabei habe ich so viele Eindrücke und Beobachtungen gemacht, die berichtenswert wären. Besonders interessant zu beobachten war es, dass ein – wirklich attraktiver – Mann gerne Kurschatten gewesen wäre, aber die angebetete Dame hatte so gar kein Interesse. Der arme Kerl hat mehrere Tage gebraucht bis ihm klar war, dass er nicht erhört werden wird. Da dies auch andere Frauen mitbekommen haben, hatte er auch bei den anderen keine Chance mehr. Welche Frau sieht sich schon gerne als zweite Wahl.

Schnell filtert man auch jene Kurgäste aus der Menge, die rücksichtslos jeden in ein Gespräch verwickeln um dann endlos lange Monologe zu halten. Denen geht man besser dauerhaft aus dem Weg. Man erkennt sie aber ohnehin schnell, weil es sind diejenigen, die beim Frühstück, wo es freie Platzwahl gibt, ganz alleine an einem großen Tisch sitzen, denn die Corona-Gefahr scheint allen weniger schlimm als ein Frühstück mit dem Dauerredner.

Und dann gibt es noch die, die nur nörgeln und alles schlecht finden. Diese Miesmacher meidet man auch besser, denn es geht von ihnen so viel negative Energie aus, dass einem die gute Laune schon am Morgen verdorben wird.
Aber glücklicherweise sind die allermeisten Kurgäste nett und sympathisch.

Heute habe ich meinen letzten, besonders langen Tag. Bereits um sieben Uhr beginne ich mit Gymnastik, dann folgen drei galvanische Anwendungen und erst um neun Uhr gibt es ein Frühstück für mich.
Ich muss also schnell machen, damit ich nicht zu spät komme. Einen angenehmen Tag mit vielen schönen Momenten.

 

Ganz ohne PS?

Den therapiefreien Sonntag haben mein Mann und ich für einen Ausflug auf den Dobratsch genützt. Die Straße zum Parkplatz, von dem wir los wanderten, ist über 15 km lang, was aber für das Auto kein Problem ist.
Mitten auf der Strecke gibt es den Aussichtspunkt „Rote Wand“. Natürlich blieben wir stehen und genossen den herrlichen Rundblick über die Berge und hinab ins Tal. Gerade als ich das erste Foto schoss, hörte ich hinter mir ein Keuchen, Schnaufen und Röcheln, das mir einen ordentlichen Schreck versetzte. Ich blickte mich vorsichtig um und sah einen etwa 50-jährigen Mann hinter mir. Die roten Flecken in seinem Gesicht verrieten, dass eine große Anstrengung hinter ihm lag. Als er hektisch eine Banane verschlang, die er aus seiner Bauchtasche nahm, sah ich, dass er nicht unbedingt ein durchtrainierter Sportler war, sondern ein Wohlstandsbäuchlein vor sich herschob. Na klar, dachte ich, der hat sich einfach verausgabt am Weg über die Villacher Alpenstraße. Nur gut, dass er jetzt eine Pause macht.
Mitnichten. Als er die Banane verputzt hatte, drehte er um, stieg auf sein Fahrrad – kein E-Bike wohlgemerkt – und fuhr wieder los.
Nach ein paar Minuten sahen wir ihn wieder, kräftig in die Pedale tretend, und überholten ihn.
Ich hätte nicht mit ihm tauschen wollen, denn eine Strecke von 16 km Länge und einem Höhenunterschied von 1.100 m mit dem Rad ohne Motor, das würde ich nicht schaffen.

Vom Parkplatz in 1.720 m Höhe wanderten wir los in Richtung Dobratsch Gipfel auf 2.166 m. Ein bequemer, breiter Schotterweg führt Richtung Gipfel.
Nach etwa einer Stunde begann mein Fersensporn zu protestieren und ich suchte nach einem Rastplatz.
In dem Moment hatte ich ein Deja-vu. Ich hörte hinter mir ein Keuchen, Schnaufen und Röcheln. Und tatsächlich, da war er wieder, der wohlgenährte Radfahrer. Er war also mit Fahrrad – ohne Motor !! – tatsächlich schneller als wir mit Auto. Und nicht nur das, wir kamen ins Gespräch und erfuhren, dass er bis zum Beginn der Villacher Alpenstraße schon 15 km Anfahrtsweg hinter sich hatte.
Dass er, zum Unterschied zu mir, ohne Pause weiterging und uns gerade entgegenkam, als wir den Gipfel erreichten, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.
Auch wenn ich mit meinem Wohlstandsbäuchlein lange nicht so sportlich bin, war es doch ein wunderschöner Tag mit herrlichem Ausblick.

14.9.2020

Die Kur schlägt an 🙁

Die erste Woche meiner Kur neigt sich ihrem Ende zu und ich habe schon ein Kilo zugenommen. Wenn das so weitergeht, kann man mich heimrollen.
Klar, frühstücken muss ich hier immer schon um 7 Uhr, später geht es sich mit den Behandlungen nicht mehr aus. Daheim esse ich meist erst, wenn sich der Magen laut knurrend meldet.
Mittagessen muss ich um 12 Uhr 30, sonst geht es sich mit den nachmittäglichen Behandlungen nicht mehr aus. Daheim esse ich meist erst wieder um 15 Uhr. Ja und hier gibt es Abendessen um 18 Uhr 30, das fällt daheim meist aus, weil ich noch satt vom Mittagessen bin. Ich kann also gar nichts dafür, dass ich hier zunehme, es sind hier einfach die widrigen Rahmenbedingungen, die mich dick machen.
Trotzdem sitzt irgendwo ein kleiner Bösewicht in meinen Gedanken, der sagt: Natürlich sind die Essenszeiten hier blöd, aber musst du denn wirklich jedesmal alles wegputzen?

Mein Straßenkind

Seit dem Jahr 2000 habe ich für die Fußgeherzone Mariahilfer Straße gekämpft. Dann, als ich es endlich geschafft hatte, haben die Medien es plötzlich den Grünen zugeschrieben. Zugegeben, ohne die Grünen hätte ich es nicht geschafft, aber es war trotzdem mein Baby.
Heute ist ein Zeitungsartikel im Kurier erschienen, der dies endlich richtig stellt.
Spät – aber doch  🙂 🙂 🙂


Marmelade statt Muskeln

Ich habe in den letzten Wochen viel Zeit mit Marmeladekochen verbracht. Dabei bin ich hauptsächlich gestanden und habe einige meiner Muskeln total vernachlässigt. Diese unterbeschäftigten Kerlchen rächen sich nun schmerzhaft. Ich habe tatsächlich schon nach den ersten drei Trainingstagen einen Muskelkater. Mal schauen, wie es weiter geht.

10.9.2020

 

Oma unter Strom

Heute habe ich gleich drei galvanische Therapien auf einmal. Mal sehen, wie ich das vetrage. Ich hoffe halt, dass mir am Abend nicht alle Haare zu Berge stehen werden. 
Ganz inteessant finde ich aber die neue Art der Ultraschallanwendung, die nicht mehr händisch am schmerzenden Körperteil erfolgt sondern über ein Wasserbad gleichmäßig wirken kann. Eine österreichische Erfindung, wie mir der Therapeut stolz erklärte.

Der nächste Termin wartet, ich muss schnell weg.

9.9.2020


Oma beim Corona-Test

Gestern war es soweit: Ich machte zum ersten Mal einen Corona-Test. Nachdem ich eine Kur machen darf, ist ein negativer Test die Voraussetzung.
Auf der Fahrt zur Kuranstalt hatte ich einen merkwürdigen, trockenen Husten. Und in der Warteschlange vor der Teststation spürte ich plötzlich ein unangenehmes Kratzen im Hals. Alles Symptome einer COVID-19 Erkrankung.
„Mein Gott, ich werde doch nicht etwa…“ ging es mir durch den Kopf.
Aber nein, das ist doch unmöglich, meinte mein Mann. Wir waren beide so vorsichtig und haben immer den nötigen Abstand gehalten. Nach zwei Stunden kam dann der – glücklicherweise – negative Befund. Der Kur stand nichts mehr im Wege.

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